Unsere Könner: Braumeister

“MANCHMAL TRINK ICH NUR IN DER ARBEIT…UND ZUHAUSE GAR NICHTS”

(c) Maximilian Salzer

Interviewer: Hallo, Silvan! Wie geht’s dir heute?

Silvan: Sehr gut. Das Bier schmeckt heute. (nimmt einen Schluck)

I: Wann trinkst du gewöhnlich dein erstes Bier?

S: So gegen halb 10 in der Früh. (lacht)

I: Wo warst du vor dem Brauwerk tätig und wieso hast du beschlossen, nach Wien zu kommen?

S: Ich bin seit August 2016 im Brauwerk dabei. Davor habe ich in München Brauwesen studiert. Ich fand Wien schon immer cool und mir war wichtig nach dem Studium in eine Stadt zu ziehen und nicht aufs Land, wo viele Brauereien ihre Standorte haben. So bin ich zur Ottakringer Brauerei gekommen, wo ich zunächst unter meinem ehemaligen Chef gearbeitet habe, bis dieser aufgehört hat und ich befördert wurde.

I: Was sind die Aufgaben eines Braumeisters?

S: Ich überschaue sehr viele Dinge, angefangen bei den Rohstoffen, mit denen wir das Bier brauen, über die Rezepte, bis hin zur Produktion. Ich beginne meine Arbeit um 7 Uhr früh. Dann werden jeden Tag um 13 Uhr alle Biere, die abgefüllt werden, verkostet. Ich versuche auch jeden Tag mit allen meinen Mitarbeitern zu sprechen, um immer einen guten Überblick zu behalten.

I: Woher kam die Idee, Braumeister zu werden?

S: Ich komme ja aus München, wo Bier stark in der Kultur verankert ist mit den Brauhäusern und dem Oktoberfest. Wenn man im Sommer durch die Stadt geht, kann man das Bier förmlich riechen. Ich war immer schon gut in Naturwissenschaften, wollte aber nicht Chemie oder ähnliches studieren. Dann bin ich auf Brauwesen gestoßen und war ganz überrascht, dass es sowas überhaupt gibt. Ich dachte zuerst, ich habe mich verlesen.

(c) Maximilian Salzer

I: Was für Ausbildungsmöglichkeiten hat man um Braumeister zu werden?

S: Ich habe Brauwesen und Getränketechnologie in München studiert. Das war ein Ingenieurstudium, das es so nur einmal in Europa gibt und das 5 Jahre dauert. Davor habe ich ein Praktikum gemacht in einer kleineren Brauerei. Ein anderer Weg wäre eine klassische Lehre in einer Brauerei zu machen und so aufzusteigen.

I: Deutsche und Österreicher sind ja bekannte Bierliebhaber. Welches Land hat deiner Meinung nach die besseren Biere?

S: Die Deutschen und Österreicher lieben ihr Bier, das stimmt auf jeden Fall. Die Qualität der Biere ist dadurch in beiden Ländern sehr hoch. In Bayern gibt es mehr Brauereien als in Österreich, aber die Österreicher sind kreativer. Das liegt natürlich auch am deutschen Reinheitsgebot, das vor allem in Bayern sehr streng ist und geschmackliche Experimente nicht so leicht zulässt wie Österreich. Das macht es hier für mich natürlich interessanter.

I: Welches Bier trinkst du privat am liebsten?

S: Am liebsten trinke ich Pils, es kommt aber auch immer darauf an. Manchmal mag ich auch lieber was Ausgefallenes. In der Gastronomie erwarte ich aber schon eine hohe Qualität beim Bier.

I: Wie sieht für dich als Braumeister der kreative Prozess aus beim Bierbrauen?

S: Also hier im Brauwerk kann ich mich ganz austoben, was die Rezepte angeht. Da kann es schon auch mal vorkommen, dass der Lehrling sagt, er hat eine Idee für ein Bier und dann probieren wir das aus. Die Rezepte liegen sonst bei mir. Das stellt man sich jetzt vielleicht sehr kreativ vor, eigentlich ist das aber ein sehr wissenschaftlicher Prozess. Ich schreib zuerst immer alles aufs Papier und versuch mir währenddessen schon vorzustellen, wie das Bier schmecken könnte.

I: Gibt es Biere, auf die du ganz besonders stolz bist?

J: Bei mir steht nicht im Vordergrund, wie gut sich ein bestimmtes Bier verkauft hat, sondern wie gut ich es finde. Wir machen auch viele Biere öfter, auch wenn sie sich in der Masse vielleicht nicht so gut verkaufen. Das erste Bier, das ich hier gebraut habe, war auch etwas Besonderes. Das war ein Bier mit Kaffee und hieß „Muckefuck“. Ich freu’ mich auch immer, wenn ich andere Leute sehe, die mein Bier trinken. Ich denke dann immer: Das habe ich gebraut!

(c) Maximilian Salzer

I: Weil du vorhin das Oktoberfest erwähnt hast: Wie oft warst du denn schon dort?

S:Ich weiß zwar nicht, wie alt ich war, als mich meine Eltern als Kind zum ersten Mal mitgenommen haben, aber seitdem war ich eigentlich jedes Jahr. Das hat sich jetzt ein bisschen verändert, seit ich in Wien wohne.

I: Hast du dort auch deine ersten Erfahrungen mit Alkohol gemacht?

S: Ja, klar. Wer noch nicht 16 war, hat sich eben auch ins Bierzelt geschlichen. Aber ich habe es auch als Jugendlicher nie wirklich übertrieben, was vielleicht auch an der Einstellung meiner Eltern liegt. Sie haben mir zwar auch Sachen verboten, aber sie waren eigentlich nie sehr strikt, wodurch ich auch nie so richtig das Gefühl hatte, Grenzen austesten zu müssen.

I: Trinkst du privat auch oft Bier?

S: Wenn ich Alkohol trinke, dann eigentlich nur Bier. Ab und zu ein Glas Wein, aber am liebsten Bier. Von mir als Braumeister wird auch oft erwartet, dass ich ein Bier trinke, dann muss ich aber trotzdem manchmal nein sagen. Ich trinke aber auch alkoholfreies Bier.

I: Wie oft trinkst du dann?

S: Am Wochenende trinke ich eigentlich immer mein Bier am Abend. Manchmal trink ich aber eine ganze Woche nur in der Arbeit und zuhause gar nichts. Das ist ein Satz, den man wahrscheinlich von nicht so vielen hört.

I: Wie oft kommt man als Braumeister am Abend beschwipst nachhause?

S: Eigentlich gar nicht. Man probiert über den Tag vielleicht mal 14 verschiedene Biere, aber das sind immer nur ein bis zwei Schlucke, also durchaus überschaubar. Natürlich trinkt man nach Dienstschluss mal ein Bier mit den Kollegen, aber auch da übertreibe ich es selten.

I: Schmeckst du die verschiedenen Zutaten aus Bier schnell heraus?

S: Ich nehme es zwar nicht jedes Mal so bewusst wahr, wenn ich ein Bier trinke, aber generell schmecke ich schon sehr schnell, welches Bier ich trinke. Außerhalb der Arbeit steht aber immer der Genuss im Vordergrund.

I: Gibt es eigentlich unter Braumeistern Konkurrenzdenken?

S: Nein, überhaupt nicht. Das ist eigentlich eine sehr tolle Community. Wir rufen uns oft gegenseitig an, wenn man Rat oder Hilfe braucht, auch wenn man für verschiedene Unternehmen arbeitet.

I: Gibt es etwas Besonderes, das ihr für nächste Zeit geplant habt?

S: Ja, im Herbst kommt unser Manner-Bier, für das wir auch die Original Mannerschnitten verwenden werden.

I: Wir bleiben gespannt! Danke fürs Gespräch!

Prost!

(c) Maximilian Salzer

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