Unsere Könner: Biersommelier

VOM SCHOKOBANANEN-BIER

ZUM BIERSOMMELIER

(c) Maximilian Salzer

Interviewer: Hallo, Julian! Du bist der erste Biersommelier, den ich kennenlerne.

Julian: Ja, es wissen nicht viele, dass es diese Ausbildung gibt.

I: Woher kam der Wunsch Biersommelier zu werden?

J: Als Kind war ich ein großer Fan vom Film „Indien“ und ich dachte mir damals schon, wie toll das sein muss, wenn man Restaurantkritiker ist, weil man dann immer was zu essen bekommt! Irgendwie hat mich der Gedanke nicht so richtig losgelassen und als ich dann schon so viel über die Produktion von Bier gelernt hatte, wollte ich mich eben auch in die andere Richtung weiterbilden und diesen Bogen schließen.

I: Wie bist du dann Biersommelier geworden?

J: Ich habe die Ausbildung zum Biersommelier in Obertrum am See bei Kiesbye’s Bierkulturhaus gemacht, das hat insgesamt eine Woche gedauert hat. Danach gibt es hier auch noch die Möglichkeit die Ausbildung zum Diplom-Biersommelier zu machen, und das habe ich dann auch gemacht.

I: Muss man auch besonders trinkfest sein für die Ausbildung?

J: Nein, wirklich nicht. Im Sommelierwesen geht es nicht darum, dass man besonders viel trinken kann, sondern sich wirklich auf das besinnt, was man schmeckt.

I: Hast du auch schon an der Staatsmeisterschaft der Sommeliers für Bier teilgenommen, die alle zwei Jahre stattfindet?

J: Alle zwei Jahre findet die Staatsmeisterschaft statt, aus denen dann die Besten im Jahr darauf an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Die größten Nationen, die teilnehmen, sind meistens Österreich, Deutschland, Schweiz und Italien, aber auch unerwartete Länder wie Brasilien und Korea. Ich war letztes Jahr zum ersten Mal dabei, das war schon sehr toll.

I: Kannst du ein Bier auch trinken, ohne sofort darüber nachzudenken, wie es gemacht wurde oder welche Zutaten enthalten sind?

J: Ich trink auf jeden Fall nicht nur Craft Beer. Wenn ich irgendwo ein neues Pils seh’, muss ich das auf jeden Fall probieren. Ich bin bei Bier wirklich kein Snob und kaufe mir auch mal ein paar Flaschen Bier im Supermarkt, genau wie alle anderen.

I: Kannst du dich noch an dein erstes Bier erinnern?

J: Mein erstes Bier war eigentlich ein alkoholfreies Bier. Da war ich 13 Jahre alt. Und davor hab’ ich wohl ein paar Mal den Schaum beim Bier von meinem Vater gekostet. Mein erstes richtiges Bier mit Alkohol habe ich dann mit 14 Jahren getrunken. Aber ich hab’s eigentlich nie übertrieben.

I: Was hat dein Interesse an Bier geweckt?

J: Ich komm aus einer landwirtschaftlichen Familie. Der Zugang zur Produktion von Lebensmitteln war für mich dadurch immer schon ein bisschen anders. Ich habe als Kind schon gern selbst Marmelade oder Säfte gemacht mit meiner Familie. Wenn man dann älter wird, dreht sich der Wind ein bisschen und man möchte lieber seinen eigenen Schnaps brennen oder eben sein eigenes Bier brauen. Das richtige Interesse am Bier kam dann aber erst, als ich auf der BOKU ein paar Kurse besucht habe, in denen es speziell um Bierbrauen ging.

(c) Maximilian Salzer

I: Wie bist du zur Brew Crew gekommen?

J: Die Gruppe gab es eigentlich schon ein paar Monate, bevor ich dazu ge
kommen bin. Nachdem ich diese Kurse auf der Uni belegt hatte, wollte ich noch mehr in die Richtung machen und da war die Brew Crew natürlich super.

I: Was macht dir an dem Projekt am meisten Spaß?

J: Naja, es ist natürlich toll, dass man sein eigenes Bier brauen kann und as im fast schon großen Stil. Normalerweise hat man nicht so einfach Zugang zu solchen Geräten. Und es macht einfach wirklich Spaß, wenn man erst mal versteht, mit wie vielen Faktoren man sich beim Brauen spielen kann – von der Stammwürze bis hin zu den verschiedenen Hopfensorten. Da gibt es so viele Variationen. Und das macht das Ganze natürlich sehr interessant.

I: Wie oft braut ihr ein neues Bier?

J: Wir treffen uns etwa alle drei Wochen, verkosten Biere und besprechen, was wir als nächstes brauen wollen. Einmal pro Monat brauen wir dann ein neues Bier. Da zwei von uns bereits die Biersommelier-Ausbildung haben, bieten wir auch öfter Schulungen an. Dabei unterstützt uns auch Andreas Urban, der Braumeister von Schwechater Bier, der auch an der BOKU lehrt. Wir machen dann beispielsweise Bierfehler-Verkostungen.

I: Wie oft trinkst du eigentlich Bier und wieviel?

J: Ich muss zugeben, dass ich privat viel alkoholfreies Bier trinke. Das schmeckt mir auch wirklich.
Ansonsten trink ich etwa alle zwei Tage, aber dann wirklich nicht viel. Ich beschränke meinen Konsum eigentlich auf die Arbeit.

I: Welche Rolle spielt Essen beim Verkosten?

J: Es ist schon oft so, dass ich zuhause ein gutes Stück Fleisch oder einen guten Fisch von meinem Großvater hab, den ich mir dann fein herrichte. Dazu möchte ich dann auch ein spezielles Bier trinken und das Ganze richtig genießen. Man braucht eben nicht immer Wein.

I: Stichwort Wein: Spuckt man beim Verkosten auch mal das Bier aus, um nicht zu betrunken zu werden?

J: Nein, gar nicht. Beim Bier verkosten ist der sogenannte „Nachtrunk“ sehr wichtig – die Bitterstoffe, die sich erst im hinteren Bereich des Mundes entfalten, also beim Schlucken.

I: Danke für das Interview!

Prost!

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(c) Maximilian Salzer

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